Du willst raus aus der Werkhalle, vom Bau oder aus dem Lager und künftig Lkw fahren? Ein Quereinstieg als Berufskraftfahrer ist tatsächlich möglich, ohne dass du erst die dreijährige Ausbildung nachholen musst. Einfach den Lkw-Führerschein machen und am Montag beim Spediteur anfangen funktioniert aber in vielen Fällen nicht.
Für gewerbliche Fahrten brauchst du je nach Fahrzeug die passende Fahrerlaubnis und grundsätzlich auch die vorgeschriebene Berufskraftfahrerqualifikation. Für Quereinsteiger ist häufig die beschleunigte Grundqualifikation der interessante Weg. Eine echte Umschulung lohnt sich dagegen vor allem dann, wenn du den anerkannten Berufsabschluss erwerben willst. Entscheidend ist also nicht nur, ob du fahren kannst, sondern welchen Abschluss du am Ende brauchst.
Quereinstieg als Berufskraftfahrer auf einen Blick
- Quereinstieg: Du kannst gewerblich Lkw fahren, ohne vorher die dreijährige Ausbildung zum Berufskraftfahrer abgeschlossen zu haben.
- Qualifikation: Für viele gewerbliche Fahrten brauchst du neben der passenden Fahrerlaubnis auch die Grundqualifikation oder beschleunigte Grundqualifikation.
- Schneller Weg: Die beschleunigte Grundqualifikation umfasst 140 Unterrichtseinheiten und anschließend eine 90-minütige theoretische IHK-Prüfung.
- Umschulung: Willst du einen anerkannten Berufsabschluss erwerben, dauert eine Umschulung in einem dreijährigen gewerblichen Ausbildungsberuf in der Regel rund 24 Monate.
- Gehalt: Einen eigenen gesetzlichen Quereinsteiger-Lohn gibt es nicht. Einsatzbereich, Erfahrung, Arbeitszeit und Betrieb machen einen deutlichen Unterschied.
Ist der Quereinstieg als Berufskraftfahrer ohne Ausbildung möglich?
Ja. Du musst nicht zwingend die dreijährige Berufsausbildung zum Berufskraftfahrer absolvieren, um später gewerblich Lkw zu fahren. Das Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz kennt neben dem Berufsabschluss weitere Wege zur erforderlichen Grundqualifikation. Genau deshalb ist der Beruf für Quereinsteiger vergleichsweise gut zugänglich.
Die Ausbildung zum Berufskraftfahrer ist trotzdem ein vollwertiger, anerkannter Ausbildungsberuf und dauert drei Jahre. Dabei lernst du deutlich mehr als das reine Fahren. Fahrzeugkontrolle, Ladung, Transportabläufe, Dokumente und der Umgang mit unterschiedlichen Gütern gehören ebenfalls zum Berufsbild.
Wenn du bereits mehrere Jahre gearbeitet hast und möglichst direkt in Transport und Logistik wechseln willst, ist eine neue dreijährige Ausbildung deshalb nicht automatisch der sinnvollste Weg. Einen allgemeinen Überblick zum Berufswechsel findest du auch in unserem Beitrag zum Quereinstieg mit 30, 40 oder 50.
Welche Qualifikation brauchst du als Quereinsteiger?
Für viele Lkw-Jobs brauchst du die entsprechende Fahrerlaubnis und zusätzlich eine Qualifikation nach dem Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz. Für Quereinsteiger ab 21 Jahren ist bei C und CE häufig die beschleunigte Grundqualifikation der direkte Weg. Mit vollständiger Grundqualifikation ist C oder CE bereits ab 18 Jahren möglich.
| Weg | Umfang | Ergebnis | Für wen interessant? |
|---|---|---|---|
| Ausbildung Berufskraftfahrer | 3 Jahre | Anerkannter Berufsabschluss und Grundqualifikation | Wenn du den Beruf vollständig von Grund auf lernen willst |
| Beschleunigte Grundqualifikation | 140 Unterrichtseinheiten, davon mindestens 10 Fahrstunden, danach 90 Minuten Theorieprüfung | Berufskraftfahrerqualifikation für die entsprechenden Fahrerlaubnisklassen | Typischer Weg für erwachsene Quereinsteiger |
| Grundqualifikation über IHK-Prüfung | 240 Minuten Theorie sowie praktische Prüfungsteile | Grundqualifikation | Wenn du die umfassendere Prüfung ohne vorgeschriebene Schulung wählst |
| Umschulung zum Berufskraftfahrer | Bei dreijährigen gewerblichen Ausbildungsberufen in der Regel rund 24 Monate | Anerkannter Berufsabschluss | Wenn du einen vollständigen Berufsabschluss nachholen willst |
Wichtig ist der Unterschied zwischen Qualifikation und Berufsabschluss. Eine bestandene beschleunigte Grundqualifikation ist nicht automatisch ein Abschluss im anerkannten Ausbildungsberuf Berufskraftfahrer. Für den Einstieg hinter dem Steuer kann sie trotzdem genau der richtige Weg sein.
Den Nachweis über die berufliche Qualifikation erhältst du über den Fahrerqualifizierungsnachweis. Das Gesetz erkennt unter bestimmten Voraussetzungen auch eine entsprechende EU-Schlüsselzahl 95 als gleichwertigen Nachweis an.
Umschulung Berufskraftfahrer oder kurze Qualifizierung?
Willst du möglichst schnell in einen Fahrjob wechseln, kann die beschleunigte Grundqualifikation besser passen. Willst du dagegen einen anerkannten Berufsabschluss erwerben, ist die Umschulung zum Berufskraftfahrer der umfassendere Weg. Beides wird im Alltag gern durcheinandergeworfen, führt aber nicht zum selben Abschluss.
Eine Umschulung orientiert sich an den Inhalten des Ausbildungsberufs und enthält auch betriebliche Praxis. Für dreijährige gewerbliche Ausbildungsberufe sehen IHK-Regelungen häufig rund 24 Monate vor. Das ist deutlich länger als eine Qualifizierung für den direkten Einstieg, dafür stehst du am Ende mit dem Berufsabschluss da.
Eine berufliche Weiterbildung oder Umschulung kann unter individuellen Voraussetzungen mit einem Bildungsgutschein gefördert werden. Die Agentur für Arbeit prüft dafür unter anderem, ob die Maßnahme notwendig ist, um Arbeitslosigkeit zu beenden oder drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden. Auch Führerschein und Berufskraftfahrerqualifikation werden in entsprechenden zugelassenen Weiterbildungsangeboten kombiniert angeboten.
Du musst deinen aktuellen Job deshalb nicht vorschnell kündigen. Wenn du erst einmal herausfinden willst, welche Betriebe in deiner Region zu deinem geplanten Wechsel passen, kannst du bei KarriereGrün kostenfrei Mitglied werden. Dein Profil ist nicht öffentlich und kein Betrieb bekommt deine Daten ohne deine Zustimmung.
Was verdient ein Berufskraftfahrer als Quereinsteiger?
Einen festen Gehaltssatz für Berufskraftfahrer als Quereinsteiger gibt es nicht. Entscheidend sind unter anderem Region, Betrieb, Einsatzgebiet, Berufserfahrung und Arbeitszeit. Auch Nahverkehr, Fernverkehr oder spezielle Transporte können sich beim Verdienst unterschiedlich auswirken.
Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit weist für fachlich ausgerichtete Tätigkeiten der Berufskraftfahrer im Güterverkehr und Lkw-Bereich ein mittleres Bruttoentgelt von 3.196 Euro pro Monat aus. Das untere Quartil liegt bei 2.743 Euro, das obere bei 3.787 Euro. Die Daten beziehen sich auf sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte und sind keine spezielle Einstiegsstatistik für Quereinsteiger.
| Entgeltatlas Berufskraftfahrer Güterverkehr/Lkw | Monatliches Brutto |
|---|---|
| Unteres Quartil | 2.743 Euro |
| Median | 3.196 Euro |
| Oberes Quartil | 3.787 Euro |
Gerade als Quereinsteiger solltest du deshalb nicht nur fragen, was auf dem Lohnzettel steht. Arbeitszeit, Touren, Übernachtungen, Wochenendarbeit und die Frage, wie planbar dein Feierabend tatsächlich ist, gehören genauso zum Angebot.
Mit dem Gehalts-Check von KarriereGrün kannst du zusätzlich einordnen, wo du mit deiner Vergütung stehst. Dein Talent-Scout kann dir als Mitglied außerdem helfen, Angebote aus deiner Region realistischer zu vergleichen.
Was viele beim Einstieg als Berufskraftfahrer unterschätzen
Der Führerschein ist nicht der schwierige Teil des Berufsalltags. Die eigentliche Frage ist, ob der Arbeitsrhythmus zu dir passt. Ein großer Lkw fährt sich anders als der Transporter vom Bauhof. Dazu kommen Verantwortung für Fahrzeug und Ladung, enge Zufahrten, Rampen, Wartezeiten und ein Tagesablauf, den du nicht komplett selbst bestimmst.
Auch deine Qualifikation bleibt nicht einfach für immer erledigt. Die vorgeschriebene Weiterbildung ist grundsätzlich alle fünf Jahre zu absolvieren und umfasst 35 Unterrichtseinheiten. Fahrerlaubnisse der Klassen C, C1, CE und C1E werden ebenfalls längstens für fünf Jahre erteilt. Für die Verlängerung musst du unter anderem die vorgeschriebenen gesundheitlichen Nachweise und Anforderungen an das Sehvermögen erfüllen.
Ein weiterer Punkt betrifft dein Alter. Mit beschleunigter Grundqualifikation darfst du Fahrzeuge der Klassen C und CE im Güterkraftverkehr grundsätzlich ab 21 Jahren fahren. Mit vollständiger Grundqualifikation ist das ab 18 Jahren möglich. Bei C1 und C1E liegt das Mindestalter für beide Wege bei 18 Jahren.
Welche Erfahrung hilft dir beim Quereinstieg?
Du musst nicht aus einer Spedition kommen, um brauchbare Vorerfahrung mitzubringen. Wenn du als Handwerker bereits täglich mit Fahrzeugen, Anhängern, Maschinen oder Material gearbeitet hast, kennst du zumindest einen Teil der Verantwortung. Ähnliches gilt für Mitarbeiter aus Lager und Logistik, Bau, Entsorgung, Maschinenführung oder Außendienst.
Das ersetzt weder Fahrerlaubnis noch vorgeschriebene Qualifikation. Im Vorstellungsgespräch kannst du solche Erfahrungen aber konkret benennen. Wer bereits Ladung gesichert, auf Baustellen rangiert, Material übernommen oder technische Kontrollen durchgeführt hat, startet mit anderen Voraussetzungen als jemand, der bisher ausschließlich am Schreibtisch gearbeitet hat.
Genau an diesem Punkt lohnt sich der Vergleich verschiedener Betriebe. Bei KarriereGrün trägst du dich einmal ein und dein Talent-Scout schaut mit dir, welche Arbeitgeber zu deinen Vorstellungen passen. Das kostet nichts, verpflichtet dich zu nichts und du kannst dich umsehen, ohne deinen aktuellen Arbeitsplatz sofort aufzugeben.
So kannst du als Berufskraftfahrer anfangen
- Entscheide, was du fahren willst. Kläre zuerst, welche Fahrerlaubnisklasse du für die Jobs brauchst, die dich wirklich interessieren.
- Prüfe deinen vorhandenen Führerschein. Wer bestimmte Fahrerlaubnisklassen bereits vor dem 10. September 2009 besessen hat, kann unter die Besitzstandsregelung des BKrFQG fallen. Die Weiterbildungspflicht bleibt bestehen.
- Wähle den Qualifikationsweg. Entscheide zwischen Ausbildung, Umschulung, Grundqualifikation und beschleunigter Grundqualifikation.
- Prüfe eine mögliche Förderung. Lass vor einer selbst finanzierten Umschulung oder Weiterbildung klären, ob ein Bildungsgutschein infrage kommt.
- Vergleiche Arbeitsmodelle statt nur Stundenlöhne. Frage nach Tourengebiet, Arbeitsbeginn, Übernachtungen, Wochenenden und planbarem Feierabend.
- Wechsle erst, wenn das Gesamtpaket passt. Ein Quereinstieg lohnt sich nicht, wenn du lediglich ein altes Problem gegen neue unplanbare Arbeitszeiten tauschst.
Berufskraftfahrer werden ohne Lehre ist also möglich. Der direkte Weg führt aber nicht am Führerschein, an der erforderlichen Qualifikation und an der Realität des Fahreralltags vorbei. Wenn du diese Punkte vorher sauber klärst, kannst du sehr gezielt entscheiden, ob eine kurze Qualifizierung reicht oder ob sich der vollständige Berufsabschluss für dich lohnt.
Häufige Fragen zum Quereinstieg als Berufskraftfahrer
Kann ich als Berufskraftfahrer anfangen, wenn ich nur Führerschein B habe?
Mit Führerschein B allein kannst du keine Stelle übernehmen, für die ein Lkw der Klassen C oder CE gefahren werden muss. Du musst zuerst die für den Einsatz erforderliche Fahrerlaubnis erwerben. Für gewerbliche Fahrten kann zusätzlich die Berufskraftfahrerqualifikation vorgeschrieben sein. Welche Klasse du tatsächlich brauchst, hängt von den Fahrzeugen und Aufgaben des konkreten Arbeitsplatzes ab.
Wie schnell kann ich als Berufskraftfahrer anfangen?
Das hängt davon ab, welche Fahrerlaubnis und Qualifikation dir noch fehlen. Die beschleunigte Grundqualifikation selbst umfasst 140 Unterrichtseinheiten und eine 90-minütige theoretische IHK-Prüfung. Musst du zusätzlich C oder CE erwerben, kommt die Fahrausbildung hinzu. Eine vollständige Umschulung mit anerkanntem Berufsabschluss dauert bei einem dreijährigen gewerblichen Ausbildungsberuf in der Regel deutlich länger.
Wie hoch ist das Berufskraftfahrer Quereinsteiger Gehalt?
Für Quereinsteiger gibt es keinen eigenen festen Gehaltssatz. Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit nennt für fachlich ausgerichtete Tätigkeiten bei Berufskraftfahrern im Güterverkehr und Lkw-Bereich einen Median von 3.196 Euro brutto monatlich. Das untere Quartil liegt bei 2.743 Euro, das obere bei 3.787 Euro. Für dein konkretes Angebot zählen Region, Betrieb und Einsatzmodell.
Kann ich Berufskraftfahrer werden ohne Lehre?
Ja. Die dreijährige Ausbildung ist nicht der einzige gesetzlich vorgesehene Weg zur erforderlichen Grundqualifikation. Du kannst sie unter anderem über eine IHK-Prüfung oder über die beschleunigte Grundqualifikation erwerben. Die beschleunigte Grundqualifikation ist allerdings kein Berufsabschluss. Wenn dir ein anerkannter Abschluss wichtig ist, kommen die reguläre Ausbildung oder eine entsprechende Umschulung infrage.
Kann die Umschulung zum Berufskraftfahrer bezahlt werden?
Eine Förderung kann möglich sein. Die Agentur für Arbeit kann berufliche Weiterbildungen und Umschulungen unter individuellen Voraussetzungen über einen Bildungsgutschein unterstützen. Dafür müssen unter anderem das Bildungsziel sowie der ausgewählte Träger und die Maßnahme die Förderbedingungen erfüllen. Kläre die Förderung deshalb vor Vertragsabschluss mit der Agentur für Arbeit, statt Lehrgang und Führerschein zunächst selbst zu bezahlen.
Wo wird deine Weiterbildung auch wirklich bezahlt?
KarriereGrün ist das Karriere-Netzwerk für Handwerk und Industrie. Du bewirbst dich nicht hundertfach blind. Du trägst dich einmal ein, und dein persönlicher Talent-Scout stellt dir die Arbeitgeber aus deiner Region vor, die zu deinen Vorstellungen passen.
Die Mitgliedschaft ist kostenfrei, dein Profil ist nicht öffentlich und du gehst keine Verpflichtung ein. Das Eintragen dauert zwei Minuten.