„Samstag ist Wochenende“ klingt logisch. Arbeitsrechtlich stimmt das so aber nicht. Bei der Samstagsarbeit im Handwerk ist der Samstag grundsätzlich kein geschützter Ruhetag wie der Sonntag. Arbeit kann deshalb erlaubt sein. Trotzdem kann dein Chef nicht jede Woche nach Belieben einen zusätzlichen Arbeitstag auf den Schichtplan setzen.
Entscheidend sind dein Arbeitsvertrag, ein möglicher Tarifvertrag, eine Betriebsvereinbarung und die gesetzlichen Grenzen der Arbeitszeit. Auch ein Samstagszuschlag entsteht nicht automatisch nur deshalb, weil du am Samstag arbeitest. Und beim Freizeitausgleich für Samstag kommt es darauf an, ob du reguläre Arbeitszeit, Mehrarbeit oder Stunden auf einem Arbeitszeitkonto leistest.
Samstagsarbeit im Handwerk kurz erklärt
- Samstag: Das Arbeitszeitgesetz verbietet Arbeit am Samstag grundsätzlich nicht.
- Arbeitszeit: In der Regel gelten höchstens acht Stunden werktäglich, unter den gesetzlichen Ausgleichsbedingungen sind bis zu zehn Stunden möglich.
- Samstagszuschlag: Einen allgemeinen gesetzlichen Zuschlag allein für Samstagsarbeit gibt es nicht.
- Arbeitsvertrag: Ob dein Chef dich samstags einsetzen darf, hängt auch von den vereinbarten Arbeitstagen und weiteren betrieblichen Regelungen ab.
- Freizeitausgleich: Ein freier Tag entsteht nicht automatisch wegen Samstagsarbeit. Entscheidend sind Überstundenregelung, Tarifvertrag oder Arbeitszeitkonto.
Ist Samstagsarbeit im Handwerk erlaubt?
Ja. Das Arbeitszeitgesetz behandelt den Samstag grundsätzlich anders als den Sonntag. § 9 ArbZG verbietet die Beschäftigung von Arbeitnehmern an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen grundsätzlich von 0 bis 24 Uhr. Für den Samstag gibt es dieses allgemeine Beschäftigungsverbot nicht.
Das heißt trotzdem nicht, dass Arbeitszeiten unbegrenzt verlängert werden dürfen. Nach § 3 ArbZG darf die werktägliche Arbeitszeit grundsätzlich acht Stunden nicht überschreiten. Bis zu zehn Stunden sind möglich, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen im Durchschnitt wieder höchstens acht Stunden werktäglich erreicht werden. Nach § 5 ArbZG müssen zwischen zwei Arbeitseinsätzen grundsätzlich mindestens elf Stunden ununterbrochene Ruhezeit liegen.
| Frage | Gesetzliche Grundregel | Was du prüfen solltest |
|---|---|---|
| Ist Samstag ein möglicher Arbeitstag? | Ja, grundsätzlich | Arbeitsvertrag, Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung |
| Reguläre tägliche Arbeitszeit | Grundsätzlich höchstens 8 Stunden | Gesamte tatsächlich geleistete Arbeitszeit |
| Verlängerung | Bis zu 10 Stunden unter Ausgleichsbedingungen | Ausgleich innerhalb von 6 Kalendermonaten oder 24 Wochen |
| Ruhezeit | Grundsätzlich mindestens 11 Stunden | Ende am Freitag und Arbeitsbeginn am Samstag |
| Arbeit am Sonntag | Grundsätzlich verboten, gesetzliche Ausnahmen möglich | Ob eine Ausnahme nach dem ArbZG greift |
Kann dein Chef dich einfach für Samstag einteilen?
Nicht allein deshalb, weil Samstag gesetzlich ein möglicher Arbeitstag ist. Nach § 106 Gewerbeordnung darf der Arbeitgeber die Zeit der Arbeitsleistung nach billigem Ermessen näher bestimmen, soweit Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung, Tarifvertrag oder Gesetz die Arbeitszeit nicht bereits festlegen.
Steht in deinem Vertrag zum Beispiel ausdrücklich, dass deine Arbeitszeit von Montag bis Freitag verteilt wird, ist das etwas anderes als eine Vereinbarung, die nur eine Wochenarbeitszeit nennt. Auch eine tarifliche Regelung kann die möglichen Arbeitstage genauer festlegen. Gibt es einen Betriebsrat, hat dieser nach § 87 Abs. 1 Nr. 2 und 3 Betriebsverfassungsgesetz bei der Verteilung der Arbeitszeit auf die Wochentage und bei einer vorübergehenden Verlängerung der betriebsüblichen Arbeitszeit mitzubestimmen.
Bevor du wegen eines Samstagseinsatzes grundsätzlich mit dem Chef aneinandergerätst, schau deshalb zuerst in die Unterlagen. Unser Ratgeber zum Arbeitsvertrag im Handwerk zeigt dir, welche Klauseln du dabei prüfen solltest.
Und wenn Samstagsarbeit bei dir längst zur Dauerlösung geworden ist, lohnt sich auch der Vergleich mit anderen Betrieben. Als Mitglied bei KarriereGrün kannst du mit deinem Talent-Scout besprechen, wie Arbeitgeber in deiner Region Arbeitszeit und freie Wochenenden handhaben. Die Mitgliedschaft ist kostenfrei und verpflichtet dich zu nichts.
Gibt es einen gesetzlichen Samstagszuschlag?
Nein, ein Samstagszuschlag ist nicht allein deshalb gesetzlich vorgeschrieben, weil du am Samstag arbeitest. Ein zusätzlicher Anspruch kann aber aus deinem Arbeitsvertrag, einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung entstehen.
Das ist ein häufiger Denkfehler. Samstag klingt nach Wochenende, arbeitsrechtlich folgt daraus aber noch kein Zuschlag. Entscheidend kann stattdessen sein, ob die Stunden am Samstag zugleich Überstunden oder tarifliche Mehrarbeit darstellen. Dann gelten die dafür vereinbarten Regeln.
Ein Beispiel: Du arbeitest normalerweise deine vollständige Wochenarbeitszeit von Montag bis Freitag und kommst zusätzlich am Samstag in den Betrieb. Dann solltest du nicht nur nach einem „Samstagszuschlag“ suchen. Prüfe vor allem, wie dein Betrieb zusätzliche Stunden vergütet oder auf dem Arbeitszeitkonto verbucht.
Wie die Regeln bei zusätzlichen Stunden aussehen können, liest du ausführlicher in unserem Artikel zu Überstunden im Handwerk.
Bekommst du für Samstagsarbeit Freizeitausgleich?
Nicht automatisch. Einen gesetzlichen Anspruch auf einen freien Montag gibt es nicht allein deshalb, weil du am Samstag gearbeitet hast. Ob ein Freizeitausgleich für Samstag erfolgt, richtet sich danach, auf welcher Grundlage die Stunden geleistet wurden und welche Regelungen für dein Arbeitsverhältnis gelten.
Bei einem Arbeitszeitkonto können zusätzliche Stunden als Zeitguthaben erfasst und später durch Freizeit ausgeglichen werden. Das Bundesarbeitsgericht stellt dazu klar, dass sich der Abbau eines Arbeitszeitkontos nach der Vereinbarung richtet, auf der dieses Konto beruht. Das kann ein Arbeitsvertrag, eine Betriebsvereinbarung oder ein Tarifvertrag sein.
Deshalb lohnt sich ein Blick auf deinen Lohnzettel und dein Stundenkonto. Fünf Stunden am Samstag dürfen nicht einfach verschwinden. Entscheidend ist aber, ob sie bezahlt, gutgeschrieben oder nach einer wirksamen Regelung anderweitig ausgeglichen werden.
Wie sieht Wochenendarbeit auf dem Bau aus?
Auf einer Baustelle kann ein Samstag schnell entstehen. Der Fertigstellungstermin drückt, unter der Woche ist Arbeit ausgefallen oder ein Bauabschnitt muss abgeschlossen werden. Dass Wochenendarbeit auf dem Bau vorkommt, beantwortet aber noch nicht die Frage, ob dein konkreter Einsatz korrekt abgerechnet wird.
Gerade im Bau können Tarifverträge eigene Regeln zur regelmäßigen Arbeitszeit, Mehrarbeit und zu Arbeitszeitkonten enthalten. Deshalb solltest du Bauhauptgewerbe, Ausbaugewerbe und andere Handwerksbereiche nicht in einen Topf werfen. Die Regel, die für einen Maurer in einem tarifgebundenen Bauunternehmen gilt, muss für einen Elektroniker oder Tischler nicht identisch sein.
Beim Sonntag wird die Grenze zusätzlich deutlich schärfer. § 9 ArbZG enthält das grundsätzliche Beschäftigungsverbot an Sonn- und Feiertagen. § 10 ArbZG nennt bestimmte Ausnahmen, etwa für einzelne Versorgungs-, Instandhaltungs- oder Notwendigkeitssituationen. Ein normaler enger Bauzeitenplan macht den Sonntag deshalb nicht automatisch zu einem normalen Arbeitstag.
Was dir beim Samstag keiner auf den Lohnzettel schreibt
Der eigentliche Unterschied zwischen zwei Betrieben steht oft nicht im Arbeitsvertrag. Ein Betrieb schreibt 40 Stunden und meint tatsächlich Montag bis Freitag. Beim nächsten heißt es im Vorstellungsgespräch ebenfalls 40 Stunden, aber in der Saison steht jede zweite Woche ein Samstag im Plan.
Genau deshalb solltest du beim Arbeitgeberwechsel nicht nur nach Stundenlohn und Urlaub fragen. Frag konkret: Wie oft arbeitet die Mannschaft samstags? Wird der Samstag geplant oder nur bei Ausnahmefällen genutzt? Landen zusätzliche Stunden auf einem Arbeitszeitkonto? Wer entscheidet, wann du die Stunden wieder abbauen kannst?
Mit dem Arbeitgeber-Check von KarriereGrün kannst du solche Punkte vor einem Wechsel systematisch prüfen. Dein Profil bei KarriereGrün ist dabei nicht öffentlich. Dein jetziger Chef sieht nicht, dass du dich umschaust, und kein Betrieb bekommt deine Daten ohne deine Zustimmung.
Was kannst du tun, wenn Samstagsarbeit zum Problem wird?
- Arbeitsvertrag lesen: Prüfe Wochenarbeitszeit, vereinbarte Arbeitstage, Überstunden und Arbeitszeitkonto.
- Tarifvertrag prüfen: Kläre, ob für deinen Betrieb ein Tarifvertrag gilt oder dein Arbeitsvertrag auf einen verweist.
- Stunden selbst festhalten: Notiere Beginn, Ende und Pausen deiner Samstagseinsätze und gleiche sie mit dem Stundenkonto ab.
- Abrechnung kontrollieren: Prüfe, ob zusätzliche Stunden bezahlt oder korrekt als Zeitguthaben verbucht werden.
- Regelung ansprechen: Wenn Samstagsarbeit häufiger wird, frag deinen Vorgesetzten konkret nach Planung und Ausgleich.
- Betriebe vergleichen: Wenn freie Wochenenden dauerhaft versprochen, aber nie eingehalten werden, musst du nicht erst kündigen. Du kannst dich kostenfrei bei KarriereGrün eintragen und mit deinem Talent-Scout diskret prüfen, welche Betriebe in deiner Region besser zu deinen Vorstellungen passen.
Häufige Fragen zur Samstagsarbeit im Handwerk
Zählt Samstag im Handwerk als Werktag?
Samstag kann arbeitsrechtlich grundsätzlich ein Werktag sein. Das Arbeitszeitgesetz enthält für Samstage kein allgemeines Beschäftigungsverbot. Anders ist es bei Sonn- und gesetzlichen Feiertagen, für die § 9 ArbZG grundsätzlich Arbeitsruhe vorsieht. Ob der Samstag in deinem Betrieb tatsächlich zu den regulären Arbeitstagen gehört, ergibt sich zusätzlich aus Arbeitsvertrag, Tarifvertrag und betrieblichen Regelungen.
Muss ich jeden Samstag arbeiten, wenn mein Chef das verlangt?
Nicht automatisch. Nach § 106 GewO kann dein Arbeitgeber die Lage deiner Arbeitszeit nur insoweit bestimmen, wie sie nicht bereits durch Arbeitsvertrag, Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder Gesetz festgelegt ist. Ob regelmäßige Samstagsarbeit möglich ist, hängt deshalb von deinen konkreten Vertragsbedingungen ab. In Betrieben mit Betriebsrat kommen außerdem dessen Mitbestimmungsrechte bei der Verteilung der Arbeitszeit hinzu.
Wie hoch ist der Samstagszuschlag im Handwerk?
Es gibt keinen einheitlichen gesetzlichen Samstagszuschlag für das Handwerk. Ein Zuschlag kann sich aus einem Tarifvertrag, deinem Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung ergeben. Außerdem können Samstagsstunden als Überstunden oder tarifliche Mehrarbeit gelten und dadurch anders vergütet werden. Prüfe deshalb nicht nur den Wochentag, sondern auch deine vereinbarte Wochenarbeitszeit und die für deinen Betrieb geltenden Vergütungsregeln.
Ist Samstag automatisch eine Überstunde?
Nein. Wenn deine regelmäßige Arbeitszeit auf mehrere Werktage einschließlich Samstag verteilt wird, ist der Samstag nicht automatisch Überstundenarbeit. Anders kann es aussehen, wenn du deine vereinbarte Wochenarbeitszeit bereits erreicht hast und zusätzliche Stunden am Samstag leistest. Ob diese Stunden als Überstunden gelten und wie sie ausgeglichen werden, richtet sich nach den für dein Arbeitsverhältnis geltenden Regelungen.
Kann ich statt Bezahlung einen freien Tag für Samstag bekommen?
Das ist möglich, aber nicht allein wegen des Samstags gesetzlich vorgeschrieben. Bei einem Arbeitszeitkonto können zusätzliche Stunden später durch Freizeit abgebaut werden. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts richtet sich der Abbau eines solchen Zeitguthabens nach der zugrunde liegenden Vereinbarung. Prüfe deshalb Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag und kontrolliere, wie dein Samstag auf dem Stundenkonto verbucht wurde.
Wie geht ein Betrieb mit Samstagsarbeit um, der es richtig macht?
KarriereGrün ist das Karriere-Netzwerk für Handwerk und Industrie. Du bewirbst dich nicht hundertfach blind. Du trägst dich einmal ein, und dein persönlicher Talent-Scout stellt dir die Arbeitgeber aus deiner Region vor, die zu deinen Vorstellungen passen.
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