Die Ausbildung zum Landschaftsgärtner gehört zu den beliebtesten handwerklichen Berufsausbildungen in Deutschland. Sie ist abwechslungsreich, körperlich anstrengend, finanziell solide und führt in einen Beruf, der absehbar nicht von der KI ersetzt wird. Wer gern draußen arbeitet, mit Werkzeug umgeht und gestalten will, statt nur Zahlen zu schieben, findet hier eine der ehrlichsten Ausbildungen, die das Handwerk zu bieten hat.
Dieser Artikel zeigt dir, was die Ausbildung umfasst, welche Voraussetzungen du mitbringen solltest, was du in den drei Lehrjahren verdienst, was in der Berufsschule passiert und welche Karrierewege nach dem Abschluss offen sind. Mit konkreten Zahlen, Stand Anfang 2026.
Die kurze Antwort
Die Ausbildung zum Gärtner Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau (offizieller Berufsname) dauert drei Jahre, kann bei guter Vorqualifikation auf zwei Jahre verkürzt werden, und findet dual statt: Praxis im Ausbildungsbetrieb plus Berufsschule, oft im Blockunterricht. Voraussetzung ist meist ein Hauptschulabschluss, körperliche Belastbarkeit und ein echtes Interesse an Pflanzen, Boden und handwerklicher Arbeit. Die Ausbildungsvergütung liegt 2026 zwischen rund 970 Euro im ersten und 1.300 Euro im dritten Lehrjahr brutto. Nach der Gesellenprüfung springt das Gehalt deutlich, mehr dazu in unserem Artikel zum Stundenlohn-Check.
Was macht ein Landschaftsgärtner eigentlich?
Wer Landschaftsgärtner werden will, sollte vorher wissen, was der Beruf tatsächlich umfasst. Es geht nicht um Bauerngarten-Romantik. Es ist Handwerk, körperlich anstrengend, abwechslungsreich, mit hohem Anspruch an Technik und Gestaltung:
Bau und Pflege von Außenanlagen. Privatgärten, Parks, Spielplätze, Friedhöfe, Sportplätze, Verkehrsflächen, Begrünungen. Jeder Tag eine andere Baustelle.
Pflasterarbeiten und Wegebau. Vom einfachen Fußweg bis zum Premium-Naturstein, Trockenmauerbau, Stützmauern. Hier liegt im Galabau ein großer Anteil der Praxis.
Vegetationstechnik. Pflanzen setzen, Rasen anlegen, Gehölze pflegen, Hecken schneiden, Bäume pflegen, Bewässerung planen. Pflanzenwissen ist Kerngeschäft.
Erdarbeiten. Boden vorbereiten, Erdmodellierung, Drainage, Entwässerung. Ein guter Landschaftsgärtner versteht Boden besser als die meisten Bauingenieure.
Maschinen- und Werkzeugbedienung. Bagger, Radlader, Vibrationsplatten, Motorsägen, Heckenscheren, Vertikutierer. Hier kommen schon im ersten Lehrjahr die ersten Maschinen ins Spiel.
Was es nicht ist: ein reiner Bürojob, eine reine Pflanzenkundler-Ausbildung oder ein leichter Job. Wer den Beruf wegen „arbeite gerne in der Natur“ wählt, sollte vor der Ausbildung mindestens ein Praktikum machen, um zu sehen, wie hart das körperlich werden kann, gerade in der Hauptsaison von April bis Oktober.
Voraussetzungen für die Ausbildung
Es gibt keine harten formalen Hürden, aber drei realistische Grundvoraussetzungen:
Schulabschluss. Hauptschulabschluss ist Standard, mit Realschulabschluss oder höher hast du leichteren Zugang zu größeren Betrieben. Ohne Abschluss ist es schwieriger, aber nicht unmöglich, vor allem wenn du ein gutes Praktikum oder eine Empfehlung mitbringst.
Körperliche Belastbarkeit. Du arbeitest draußen, oft den ganzen Tag, in jeder Witterung. Heben, schaufeln, schleppen, knien, klettern. Wer chronische Rückenprobleme oder Knieprobleme hat, sollte vor der Ausbildung medizinisch checken lassen, ob das passt.
Mindestalter und Führerschein. Die Ausbildung beginnt meist mit 15 oder 16, manchmal später. Führerschein wirst du während der Ausbildung erwerben, viele Betriebe unterstützen den Erwerb finanziell oder organisatorisch. Für die Lehre selbst ist er noch keine Voraussetzung.
Was nicht zwingend gefordert wird, aber hilft: ein Praktikum vor der Bewerbung (zwei bis vier Wochen), ein gültiges Erste-Hilfe-Zertifikat, gewisses Pflanzenwissen aus der Schule oder dem privaten Garten.
Dauer und Aufbau der Ausbildung
Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Verkürzungen sind möglich:
Verkürzung auf 2,5 Jahre bei mittlerer Reife oder höherem Schulabschluss, wenn der Ausbildungsbetrieb zustimmt.
Verkürzung auf 2 Jahre bei (Fach-)Abitur oder vergleichbaren Qualifikationen, plus Zustimmung des Betriebs.
Verlängerung möglich bei Lernschwierigkeiten oder besonderen Umständen, in der Regel bis maximal vier Jahre.
Aufbau dual: Praxis im Ausbildungsbetrieb plus Berufsschule. Berufsschule kann als wöchentlicher Teilzeit-Unterricht oder als Blockunterricht (mehrwöchige Schulphasen) organisiert sein, je nach Region und Berufsschule.
Was du in den drei Lehrjahren lernst
Erstes Lehrjahr: Grundlagen
Werkzeugkunde und Maschinen-Basics, Bodenkunde, Pflanzenkunde (Erkennen, Pflegen, Setzen), Sicherheit auf der Baustelle, einfache Pflasterarbeiten, Heckenschnitt, Pflege von Außenanlagen. Du wirst viel mitlaufen, aufladen, abladen, transportieren, beobachten und schon bald selbst Hand anlegen.
In der Berufsschule: Grundlagen Pflanzenkunde, Bodenkunde, Mathematik (Flächenberechnung, Mengen), Werkzeug- und Maschinenkunde, Arbeitssicherheit.
Zweites Lehrjahr: Bauverfahren und Spezialisierung
Komplexere Pflasterarbeiten (Naturstein, Verbundpflaster), Mauerbau, Erdmodellierung, Drainage und Entwässerung, Maschinenbedienung (Vibrationsplatte, Stampfer, kleine Bagger), Vegetationstechnik, Beetanlage, Rasenbau. Du übernimmst eigene Aufgaben mit weniger Aufsicht.
In der Berufsschule: Bauverfahrenstechnik, Vegetationstechnik, Boden- und Pflanzenkunde tiefer, Kalkulationsgrundlagen, Maschinenkunde.
Drittes Lehrjahr: Spezialisierung und Prüfungsvorbereitung
Komplexe Bauverfahren, eigene Verantwortung auf einfachen Baustellen, Vorbereitung auf die Abschlussprüfung. Manche Betriebe lassen Auszubildende im dritten Lehrjahr schon kleine Pflasterarbeiten allein machen oder als rechte Hand des Vorarbeiters fungieren. Spezialisierungen wie Baumpflege, Naturstein-Pflasterung, Sportplatzbau können hier vertieft werden.
In der Berufsschule: Vertiefung der Bauverfahren, Kalkulation, Recht, Pflanzenkunde, Vorbereitung auf den schriftlichen und praktischen Teil der Abschlussprüfung.
Was du in der Ausbildung verdienst
Die Ausbildungsvergütung im Galabau ist tariflich geregelt. Aktuelle Sätze für 2026 (Tarifgebiet West, gerundete Werte, Stand Anfang 2026):
Erstes Lehrjahr: rund 970 bis 1.050 Euro brutto im Monat.
Zweites Lehrjahr: rund 1.080 bis 1.150 Euro brutto im Monat.
Drittes Lehrjahr: rund 1.180 bis 1.300 Euro brutto im Monat.
Im Tarifgebiet Ost liegen die Sätze etwas niedriger. Manche Betriebe in Mangelregionen oder mit Premium-Geschäft zahlen übertariflich, also über den Tarifsätzen. Wer sich in München, Stuttgart oder im Frankfurter Umland bewirbt, kann oft 100 bis 200 Euro mehr im Monat verhandeln.
Dazu kommen tarifliche Sonderzahlungen: anteiliges 13. Monatsgehalt, Urlaubsgeld, vermögenswirksame Leistungen. Auch bei Auswärtseinsätzen mit Übernachtung gibt es Auslöse und Wegegeld, mehr dazu in unserem Artikel zu Auslöse und Wegegeld.
Aktuelle Tarifsätze findest du beim Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) oder bei der IG BAU.
Die Prüfungen
Zwei Prüfungen unterbrechen die Ausbildung:
Zwischenprüfung. Nach etwa der Hälfte der Ausbildung (Ende des zweiten Lehrjahres). Schriftliche und praktische Aufgaben aus den ersten zwei Lehrjahren. Sie ist Voraussetzung für die Zulassung zur Abschlussprüfung, wird aber nicht in die Endnote eingerechnet.
Abschlussprüfung. Am Ende des dritten Lehrjahres. Drei Teile:
Schriftliche Prüfung in Pflanzenkunde, Bauverfahren, Wirtschaftslehre und Sozialkunde.
Praktische Prüfung mit zwei bis drei Arbeitsproben (Pflanzarbeiten, Pflasterung, Mauerbau oder ähnlich). Die Prüfungsstelle stellt die Aufgaben, du bearbeitest sie unter Aufsicht.
Mündliche Prüfung: Kurze Erläuterung deiner Arbeitsproben, Fachgespräch mit den Prüfern.
Bestehensquote im Galabau ist mit über 90 Prozent hoch, wenn du regelmäßig in Berufsschule und Praxis dabei warst. Wer die Theorie ernst nimmt und die Praxis sauber durchzieht, hat gute Chancen.
Wie du an einen Ausbildungsplatz kommst
Drei Wege:
Direktbewerbung beim Galabau-Betrieb. Lebenslauf, kurzes Anschreiben, ggf. Empfehlung. Ein Praktikum vor der Bewerbung wirkt oft Wunder, weil du dann schon einen ersten Eindruck hinterlassen hast. Mehr zur Bewerbung im Handwerk findest du im entsprechenden Artikel.
Über die Handwerkskammer und Berufsorientierungsmessen. Manche Galabau-Betriebe stellen sich auf regionalen Messen vor und nehmen dort direkt Bewerbungen entgegen.
Über Online-Plattformen und Stellenbörsen. Funktioniert, ist aber unpersönlicher als der Direktweg. Wer Online sucht, sollte trotzdem versuchen, vor der Bewerbung den Betrieb anzurufen oder vorbeizugehen.
Bewerbungs-Zeitpunkt: Galabau-Ausbildungen starten in der Regel zum 1. August oder 1. September. Bewerben solltest du dich rund neun bis zwölf Monate vorher, also im Spätsommer oder Herbst des Vorjahres. Spätbewerbungen bis Anfang des Ausbildungsjahres sind möglich, wenn ein Betrieb noch frei hat.
Was nach der Ausbildung möglich ist
Mit dem Gesellenbrief stehen dir mehrere Wege offen:
Geselle bleiben und Erfahrung sammeln. Drei bis fünf Jahre als Geselle arbeiten, Spezialisierungen aufbauen, übertarifliche Aufschläge verhandeln. Mehr dazu im Stundenlohn-Check und im Artikel zur Übertarif-Verhandlung.
Vorarbeiter werden. Nach einigen Jahren Praxis-Erfahrung Verantwortung für ein kleines Team übernehmen. Kein Lehrgang nötig.
Werkpolier-Lehrgang. Berufsbegleitend, ca. 12 bis 18 Monate, Vorbereitung auf größere Baustellenleitung.
Meisterausbildung. Voll- oder Teilzeit, bringt Selbstständigkeit, Bauleitung und Ausbildungsbefugnis. Mehr dazu im Meister-Artikel.
Spezialisierungs-Lehrgänge. European Treeworker (Baumkletter-Schein), Greenkeeper, Naturpoolbau, Pflasterer-Spezialisierung. Direkt verwertbar im Markt, oft mit Lohnaufschlag.
Studium. Mit Abitur oder nach beruflicher Aufstiegsfortbildung kannst du Landschaftsbau, Landschaftsarchitektur, Gartenbau studieren. Wer nach oben will, geht oft diesen Weg.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Ausbildung zum Landschaftsgärtner?
In der Regel drei Jahre. Verkürzung auf 2,5 Jahre bei mittlerer Reife möglich, auf 2 Jahre bei (Fach-)Abitur. Verlängerung auf bis zu vier Jahre bei besonderen Umständen.
Was verdient man als Auszubildender im Galabau?
Tariflich rund 970 bis 1.050 Euro im 1. Lehrjahr, 1.080 bis 1.150 Euro im 2. Lehrjahr und 1.180 bis 1.300 Euro im 3. Lehrjahr (Stand 2026, Tarifgebiet West, gerundet). In Mangelregionen und Premium-Betrieben oft 100 bis 200 Euro mehr.
Welcher Schulabschluss wird verlangt?
Hauptschulabschluss ist Standard, Realschule oder höher öffnen mehr Türen. Ohne Abschluss ist es schwieriger, aber nicht unmöglich, vor allem mit gutem Praktikum oder Empfehlung.
Brauche ich einen Führerschein während der Ausbildung?
Nein. Den Führerschein wirst du im Laufe der Ausbildung erwerben, oft mit finanzieller oder organisatorischer Unterstützung deines Betriebs. Für die ersten Lehrjahre nicht zwingend nötig.
Welche Note in welchem Schulfach ist wichtig?
Vor allem Biologie und Mathematik werden gerne gesehen, aber nicht zwingend. Wichtiger als Schulnoten sind Praktikum, Eindruck im Vorstellungsgespräch und körperliche Eignung. Wer die Schulnoten nicht so hat, glänzt mit Praxis.
Kann ich nach der Ausbildung sofort viel verdienen?
Direkt nach der Gesellenprüfung springt das Gehalt deutlich. Im 1. Jahr nach der Ausbildung liegen die Bruttogehälter im Tarifgebiet West bei rund 38.000 bis 45.000 Euro, je nach Region und Übertarif. Mit Spezialisierung oder Aufstieg lässt sich das in den ersten Jahren spürbar steigern. Mehr dazu im Stundenlohn-Check.
Was ist der Unterschied zwischen Gärtner Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau und anderen Gärtner-Berufen?
Es gibt sieben Fachrichtungen im Beruf Gärtner: Garten- und Landschaftsbau (das ist der Galabau), Baumschule, Friedhofsgärtnerei, Gemüsebau, Obstbau, Staudengärtnerei, Zierpflanzenbau. Jede hat einen anderen Schwerpunkt. Galabau ist die Bau- und Gestaltungs-Variante, mit dem höchsten Anteil an Pflasterarbeiten und Maschinen-Einsatz.
Kurz und ehrlich zum Schluss
Die Ausbildung zum Landschaftsgärtner ist eine der ehrlichsten und vielseitigsten Berufsausbildungen, die das Handwerk anbietet. Drei Jahre Praxis und Theorie, anständig bezahlt, mit klaren Karrierewegen nach dem Abschluss.
Wer sie wegen romantischer Bilder vom Gärtnerdasein wählt, wird im ersten Sommer enttäuscht. Wer sie wählt, weil er gestalten will, mit Werkzeug umgehen will und einen Beruf sucht, in dem Können konkret bezahlt wird, ist hier richtig.
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Hinweis: Die genannten Tarif- und Vergütungswerte sind gerundete Spannen Stand Anfang 2026 und unterscheiden sich je nach Tarifgebiet. Aktuelle Werte findest du beim Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) oder bei der IG BAU.