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Was verdient ein Landschaftsgärtner wirklich? Gehalt nach Berufsjahren, Region und Position

Was verdient ein Landschaftsgärtner wirklich? Aktuelle Zahlen nach Berufsjahren, Region und Spezialisierung. Plus: Was zum Stundenlohn noch dazukommt.
Gehalt Landschaftsgärtner: Lohn nach Berufsjahren

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Im Galabau gibt es zwei Antworten auf die Gehaltsfrage: die offizielle, die im Tarifvertrag steht, und die ehrliche, die davon abhängt, in welcher Region du arbeitest, in welchem Betrieb du gelandet bist und wie gut du verhandelt hast.

Wer das eine mit dem anderen verwechselt, lässt am Monatsende oft drei- bis vierstellige Beträge im Jahr liegen. Dieser Artikel zeigt dir, was im Galabau aktuell wirklich gezahlt wird: nach Berufsjahren, Region, Position und Spezialisierung. Mit konkreten Zahlen, ehrlichen Spannen und ohne Schönfärberei.

Die kurze Antwort

Ein ausgelernter Landschaftsgärtner verdient in Deutschland (Stand Anfang 2026) je nach Tarifgebiet zwischen rund 19 und 22 Euro brutto pro Stunde. Mit ein paar Berufsjahren, einer Spezialisierung oder als Vorarbeiter sind 23 bis 28 Euro die Regel. Auf das Jahr gerechnet bedeutet das ein Bruttogehalt von rund 38.000 bis 60.000 Euro, je nach Position, Region und ob dein Betrieb tariflich oder übertariflich zahlt. Wer auf den oberen Rand kommt, hat selten Glück, sondern eine klare Strategie.

Tariflohn Galabau: Die offizielle Basis

Der Bundesrahmentarifvertrag Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BRTV-Galabau) regelt Mindestlöhne für die Branche. Die wichtigsten Lohngruppen für angestellte Fachkräfte (Stand Anfang 2026, gerundet, aktuelle Werte bei der IG BAU oder beim BGL prüfen):

  • Lohngruppe 3 (Hilfskraft): rund 14 bis 16 Euro pro Stunde brutto.
  • Lohngruppe 6 (ausgelernter Landschaftsgärtner): rund 19 bis 21 Euro im Tarifgebiet West, rund 17 bis 19 Euro im Tarifgebiet Ost.
  • Lohngruppe 7 (Geselle mit anerkannter Berufserfahrung oder Spezialisierung): rund 21 bis 23 Euro.
  • Vorarbeiter: rund 22 bis 26 Euro.
  • Werkpolier: rund 25 bis 28 Euro.
  • Polier: rund 27 bis 30 Euro.

Die genauen Beträge unterscheiden sich zwischen Tarifgebiet West, Tarifgebiet Ost und Berlin. Die Tarifvertragsparteien einigen sich in der Regel jährlich auf neue Sätze. Wer die exakte Zahl für seine Lohngruppe sehen will, schaut auf die aktuelle Tariftabelle der IG BAU oder des Bundesverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL).

Was zum Stundenlohn noch dazukommt

Wenn du Gehälter nur am Stundenlohn vergleichst, betrachtest du nur die Hälfte. Im Galabau gehört eine ganze Reihe tariflicher Zusatzleistungen dazu, die unterm Strich oft 2.000 bis 5.000 Euro pro Jahr ausmachen:

  • 13. Monatsgehalt / Weihnachtsgeld: Im BRTV-Galabau tariflich vorgesehen, prozentual vom Bruttolohn.
  • Urlaubsgeld: Tariflich, zusätzlich zur normalen Vergütung im Urlaub.
  • Wegegeld / Fahrtkostenzuschuss: Bei längeren Anfahrten, zusätzlich zur normalen Arbeitszeit (siehe auch unseren Artikel zur Wegezeit).
  • Verpflegungszuschuss / Auslöse: Bei auswärtigen Baustellen, wenn die Heimfahrt zum Mittag nicht zumutbar ist.
  • Vermögenswirksame Leistungen: VL-Sparen mit Arbeitgeberzuschuss von 6,65 bis 26,59 Euro im Monat, je nach Tarif.
  • Zusatzversorgung Bau (ZVK): Zusätzliche betriebliche Altersvorsorge, vom Arbeitgeber finanziert.

Vergleich heißt: Brutto-Jahreseinkommen plus Zusatzleistungen, nicht Stundenlohn gegen Stundenlohn. Ein Betrieb mit 19 Euro Stundenlohn plus großzügiger Auslöse, vollem 13. Monatsgehalt und ZVK-Beitrag kann am Jahresende mehr in deinem Konto landen lassen als ein anderer mit 21 Euro Stundenlohn ohne Zusatzleistungen.

Gehalt nach Berufsjahren: Was du erwarten darfst

Realistische Spannen, gerechnet auf 39 Wochenstunden Vollzeit, inklusive üblicher Zusatzleistungen, Stand 2026:

  • Erstes Jahr nach der Ausbildung: rund 38.000 bis 45.000 Euro brutto im Jahr (West), rund 34.000 bis 40.000 Euro (Ost).
  • Drei bis fünf Jahre Erfahrung: rund 42.000 bis 50.000 Euro.
  • Fünf Jahre und mehr, mit Spezialisierung oder Aufstieg: rund 46.000 bis 55.000 Euro.
  • Vorarbeiter: rund 48.000 bis 58.000 Euro.
  • Werkpolier oder Polier: rund 55.000 bis 65.000 Euro.
  • Meister im Galabau (angestellt): rund 55.000 bis 75.000 Euro, oft mit zusätzlichem Bonus oder Erfolgsbeteiligung.

Die Spannen wirken weit, weil sie es sind. Der Unterschied zwischen unterem und oberem Rand erklärt sich fast immer aus zwei Faktoren: Region und Übertarif.

Gehalt nach Region: Wo verdienst du am meisten?

Auch innerhalb des Tarifgebiets West gibt es spürbare Unterschiede, je nach lokalem Arbeitsmarkt und Auftragslage:

Baden-Württemberg und Bayern: Höchste übertarifliche Aufschläge, besonders im Großraum Stuttgart, München, Ulm und Nürnberg. Privatkundengeschäft mit hohem Premiumanteil treibt die Löhne.

Hessen, NRW (Speckgürtel um Frankfurt, Köln, Düsseldorf): Solide übertarifliche Aufschläge, hoher Auftragsdruck.

Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg: Stabile Löhne, aber selten Premium.

Tarifgebiet Ost (Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt): Niedrigere Tarifsätze als West, aber langsam und kontinuierlich angleichend. Wer im Osten in einer Großstadt arbeitet, kommt oft an Westniveau heran.

Ein Geselle in München kann gut 5.000 bis 8.000 Euro mehr im Jahr verdienen als der gleiche Geselle in Sachsen. Wenn die Lebenshaltungskosten in deiner Region nicht in gleichem Maß höher sind, lohnt sich der Vergleich.

Spezialisierungen mit Premium-Lohn

Bestimmte Spezialisierungen werden im Galabau spürbar besser bezahlt, weil sie selten sind, gefragt sind oder ein höheres Risiko mit sich bringen:

Baumpflege / European Treeworker (SKT-A, SKT-B): Zuschläge wegen Höhenarbeit und Risiko, oft 2 bis 4 Euro pro Stunde über dem Galabau-Standard. Ein erfahrener Baumkletterer kommt auf Stundenlöhne von 25 bis 30 Euro.

Naturpoolbau und Schwimmteichbau: Premium-Segment mit Premium-Bezahlung. Wenig Betriebe, hoher Spezialisierungsgrad, exklusives Privatkundengeschäft.

Greenkeeper auf Top-Golfanlagen: Solide Zuschläge, oft ganzjährige Festanstellung statt Saisonarbeit, manche Anlagen zahlen deutlich über dem Galabau-Tarif.

Pflasterer-Spezialist (Naturstein, alte Stadtkerne, denkmalgeschützte Anlagen): In den richtigen Regionen oft übertariflich, weil saubere Naturstein-Arbeit nicht jeder kann.

Forstwirtschaft (öffentlicher Dienst): TVöD-Tarif, weniger körperliches Risiko als Galabau-Premium-Segmente, aber dafür sehr stabil und mit guter Zusatzversorgung.

Tariflich vs. übertariflich: Wo der echte Unterschied liegt

Viele Galabau-Betriebe zahlen über Tarif. 1, 2 oder sogar 4 Euro mehr pro Stunde sind je nach Region, Auftragsbuch und Fachkräftemangel ganz normal. Manche Betriebe gehen noch weiter: Halten-Bonus nach 12 Monaten, garantiertes 13,5. oder 14. Monatsgehalt, deutlich höhere VL-Zuschläge, Dienstwagen für Vorarbeiter.

Die Frage ist nicht, ob dein Betrieb übertariflich zahlt. Die Frage ist, wie viel über Tarif. Wer diese Frage nicht stellt, bekommt sie auch nicht beantwortet. Und das ist die häufigste Erklärung, warum Geselle A im selben Beruf, in der gleichen Region, mit ähnlicher Erfahrung am Jahresende 6.000 Euro mehr in der Tasche hat als Geselle B.

So fragst du im Bewerbungsgespräch nach Gehalt

Sei konkret. Statt „Was verdient man hier?“ frag: „Was bekomme ich als ausgelernter Landschaftsgärtner mit X Jahren Erfahrung pro Stunde brutto, und was kommt dazu?“

Frag nach allem. Stundenlohn, Auslöse, Wegegeld, Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, VL-Zuschuss, ZVK-Beiträge, Bonusregelung, Werkzeugzuschuss, Dienstkleidung. Ein guter Betrieb antwortet ohne zu zucken. Ein schlechter weicht aus.

Lass dir alles in Brutto-Jahresgehalt umrechnen. Stundensätze sind im Galabau täuschend, weil ein Betrieb mit 19 Euro Stundenlohn plus großzügiger Auslöse mehr zahlen kann als einer mit 21 Euro Stundenlohn ohne Zusätze.

Vergleich nicht mit Mitkollegen, sondern mit dem Markt. Wer im Bauhof von Kollege zu Kollege fragt, hört, was sein Betrieb zahlt. Wer den Markt prüft, sieht, was möglich ist.

Häufige Fragen

Was verdient ein Landschaftsgärtner im ersten Lehrjahr?

Die tarifliche Ausbildungsvergütung im Galabau liegt im ersten Lehrjahr aktuell bei rund 970 bis 1.050 Euro brutto im Monat (Stand 2026, je nach Tarifgebiet). Im zweiten Lehrjahr rund 1.080 bis 1.150 Euro, im dritten Lehrjahr rund 1.180 bis 1.300 Euro.

Wie hoch ist der Mindestlohn im Galabau?

Im Galabau gilt der allgemeinverbindliche Branchenmindestlohn aus dem BRTV-Galabau, der über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt. Für ungelernte Hilfskräfte beginnt er aktuell bei rund 14 Euro pro Stunde, gelernte Landschaftsgärtner liegen deutlich darüber.

Was verdient ein Galabau-Meister?

Ein angestellter Meister im Galabau verdient aktuell rund 55.000 bis 75.000 Euro brutto im Jahr, je nach Betriebsgröße, Verantwortungsbereich und Region. Bauleiter und Niederlassungsleiter kommen oft darüber hinaus, oft mit Bonus oder Erfolgsbeteiligung.

Verdient man im Galabau wirklich weniger als auf dem Bau?

Pauschal nein. Der Bauhauptgewerbe-Tarif liegt zwar im Stundenlohn etwas höher, aber im Galabau gibt es weniger Witterungsausfälle, mehr Privatkundengeschäft mit Premium-Margen und in vielen Regionen vergleichbare Übertarif-Aufschläge. Wer beide Branchen vergleichen will, sollte das Brutto-Jahresgehalt inklusive aller Zusatzleistungen gegenüberstellen.

Wann lohnt sich der Schritt zum Vorarbeiter beim Gehalt?

Der tarifliche Sprung vom Geselle zum Vorarbeiter liegt bei etwa 2 bis 3 Euro pro Stunde brutto. Auf das Jahr gerechnet ergibt das rund 4.000 bis 6.000 Euro mehr. Lohnt sich vor allem dann, wenn dein Betrieb auch übertariflich nachzieht und die zusätzliche Verantwortung anerkennt.

Wie verhandle ich Gehalt im Galabau richtig?

Drei Schritte: Erstens den eigenen Marktwert kennen (Tarifsätze, Übertarif in der Region, Spezialisierung). Zweitens konkret werden („Ich erwarte X Euro brutto pro Stunde plus Y“). Drittens nicht beim ersten Nein nachgeben — die meisten Betriebe haben einen Verhandlungsspielraum, den sie nicht von sich aus nennen.

Kurz und ehrlich zum Schluss

Im Galabau ist alles möglich, vom Lohn an der Untergrenze bis zu einem Gehalt, das viele Bürojobs locker übertrifft. Welcher Punkt auf dieser Skala bei dir landet, entscheidet sich nicht durch Berufsjahre allein, sondern durch Region, Spezialisierung, Verhandlungsstärke und vor allem durch den Betrieb, in dem du arbeitest.

Wer wissen will, was für ihn drin ist, vergleicht. Nicht mit dem Kollegen am Bauhof, sondern mit dem regionalen Markt.

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Hinweis: Die genannten Tarif- und Gehaltsangaben sind gerundete Spannen Stand Anfang 2026. Aktuelle Tarifsätze findest du beim Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) oder bei der IG BAU.