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Übertarif im Galabau: Was üblich ist und wie du den Aufschlag verhandelst

Wie viel über Tarif zahlen Galabau-Betriebe wirklich? Was im Markt üblich ist, wann es drin ist und wie du den Aufschlag richtig verhandelst. Mit konkreten Sätzen.
Übertarif Galabau: So verhandelst du den Aufschlag

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„Wir zahlen nach Tarif.“ Diesen Satz kennt jeder Galabauer. Er klingt fair, transparent und alternativlos. Tatsächlich ist er meistens nur die halbe Wahrheit. Im Galabau zahlen die meisten Betriebe in Wirklichkeit über Tarif. Sie sagen es nur nicht von selbst.

Der Unterschied zwischen Tarif und übertariflich kann pro Jahr leicht 4.000 bis 8.000 Euro brutto ausmachen. Wer nicht verhandelt, bekommt das nicht. Wer falsch verhandelt, auch nicht. Dieser Artikel zeigt dir, wie viel Übertarif im Markt üblich ist, wann er drin ist und wie du ihn so verhandelst, dass er auch wirklich auf deinem Lohnzettel landet. Mit konkreten Sätzen, die funktionieren.

Die kurze Antwort

Übertarif im Galabau liegt typisch zwischen 1 und 4 Euro pro Stunde brutto, in Mangelregionen und bei Spezialisierung auch deutlich darüber. Verhandelt wird er bei Einstieg, beim Jahresgespräch oder bei einem konkreten Anlass (Aufstieg, externes Angebot, Mehrverantwortung). Wer eine konkrete Zahl nennt, eine Begründung mitliefert und nicht beim ersten Nein nachgibt, holt das, was im Markt drin ist. Wer „mal nachfragt“, bekommt meist „mal sehen“.

Tariflohn und übertariflich, was bedeutet das genau?

Tariflohn ist der Mindestlohn, den dein Betrieb dir laut Bundesrahmentarifvertrag Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BRTV-Galabau) zahlen muss, wenn er tarifgebunden ist. Übertariflich heißt: alles, was darüber hinausgeht. Ein Betrieb darf jederzeit über Tarif zahlen. Er darf nur nicht darunter.

Übertarif kann zwei Formen haben. Erstens als direkter Stundenlohn-Aufschlag (du bekommst statt 19,50 Euro tariflich zum Beispiel 22 Euro pro Stunde). Zweitens als zusätzliche Leistung (höheres Weihnachtsgeld als tariflich vorgesehen, höherer VL-Zuschuss, freiwilliger Bonus, Dienstwagen, Werkzeugzuschuss). Beides zählt am Jahresende. Wer nur den Stundenlohn vergleicht, übersieht oft die zweite Hälfte.

Wie viel Übertarif ist im Galabau üblich?

Konkrete Spannen, die im Markt häufig zu finden sind (Stand Anfang 2026):

Berufseinsteiger im ersten Jahr nach der Ausbildung: 0 bis 1,50 Euro über Tarif. Hier wird selten viel verhandelt, weil das Risiko aus Betriebssicht hoch ist.

Geselle mit 3 bis 5 Jahren Erfahrung: 1 bis 2,50 Euro über Tarif. Hier wird verhandelt, hier ist regional viel drin.

Erfahrener Geselle, Spezialist oder Mitarbeiter mit Mehraufgaben: 2 bis 4 Euro über Tarif. In Süddeutschland und in Großstadtnähe oft mehr.

Vorarbeiter, Werkpolier, Polier: übertariflich praktisch immer, oft 3 bis 6 Euro über dem jeweiligen Stufentarif. Bei Bauleiter-Positionen wird ohnehin häufig pauschal verhandelt, nicht mehr stundengenau.

Regional spielt eine große Rolle. In Bayern, Baden-Württemberg und in den Speckgürteln großer Städte sind die Aufschläge spürbar höher als im ländlichen Raum oder in Ostdeutschland. Wer in einer wirtschaftsstarken Region arbeitet und sich nur am Tarifvertrag orientiert, lässt regelmäßig Geld liegen.

Wann zahlen Betriebe übertariflich, und warum?

Es gibt klare Gründe, aus denen Betriebe gerne mehr zahlen als der Tarifvertrag vorschreibt. Wer diese Gründe kennt, weiß, wo die Verhandlungshebel liegen:

Fachkräftemangel. Der Galabau sucht händeringend Personal. Ein Betrieb, der Aufträge ablehnen muss, weil ihm Leute fehlen, zahlt für einen guten Mitarbeiter mehr als das Mindeste. In Mangelregionen ist das die Regel.

Mitarbeiterbindung. Einen erfahrenen Gesellen zu verlieren und durch einen Neuen zu ersetzen kostet einen Betrieb leicht 5.000 bis 10.000 Euro an Einarbeitung, Probezeit und entgangener Produktivität. Übertariflich zu zahlen ist oft günstiger.

Premium-Geschäftsmodell. Betriebe, die im hochwertigen Privatkundenbereich, in Naturpoolbau oder in der gewerblichen Pflege guter Anlagen arbeiten, haben höhere Margen und können (und müssen) entsprechend zahlen.

Wettbewerb um Personal. Wenn der Konkurrent zwei Straßen weiter besser zahlt, muss der eigene Betrieb mitziehen oder verlieren. Wer das im Verhandlungsgespräch (taktvoll) erwähnt, schafft Druck.

Wann zahlen sie es nicht (oder weniger)?

Strikt tarifgebundene Großbetriebe. Manche größere Betriebe haben interne Vorgaben, dass nur tariflich gezahlt wird. Ausnahmen sind selten und brauchen viel Gegenargument.

Regionen mit Personalüberhang. Selten im Galabau, aber es gibt sie. Dort ist der Hebel auf Bewerberseite kleiner.

Junge Gesellen ohne Spezialisierung. Wer nichts Konkretes mitbringt, was über das Standardprofil hinausgeht, hat einen schwächeren Verhandlungsstand. Hier hilft, sich Spezialisierungen zuzulegen, bevor man verhandelt.

Probezeit. In den ersten sechs Monaten nach Einstieg ist Verhandeln meistens vergeblich. Die meisten Betriebe verhandeln dann erst zum Ende der Probezeit oder zum Jahresgespräch.

So verhandelst du den Aufschlag richtig

Eine Gehaltsverhandlung im Galabau folgt einer klaren Logik. Wer sie kennt, hat einen großen Vorteil gegenüber dem Kollegen, der „einfach mal fragt“.

Vorbereitung: Markt kennen. Bevor du in das Gespräch gehst, musst du wissen, was deine Position regional bringt. Frag in deinem Netzwerk, schau, was Betriebe in deiner Region aktuell ausschreiben, vergleiche brutto auf Jahressicht. Mit Bauchgefühl gewinnst du keine Verhandlung.

Konkrete Forderung statt vager Bitte. Sag eine Zahl. „Ich finde, ich sollte mehr verdienen“ ist keine Verhandlung. „Ich erwarte einen Stundenlohn von 23 Euro brutto“ ist eine. Konkretheit zeigt, dass du dich vorbereitet hast.

Mit Begründung. Was hast du in den letzten 12 Monaten geleistet, was über deine ursprüngliche Position hinausging? Verantwortung übernommen, Kollegen eingearbeitet, Spezialaufgaben gemacht, schwierige Kunden gut bedient. Das ist deine Verhandlungsmasse.

Timing nicht zufällig wählen. Der schlechteste Zeitpunkt für eine Gehaltsverhandlung ist eine vermasselte Woche. Der beste ist nach einem erfolgreich abgeschlossenen Großauftrag, vor der Hauptsaison oder beim turnusmäßigen Jahresgespräch.

Sprache: ruhig, fest, höflich. Keine Drohgebärden, keine Klagen, keine emotionalen Appelle. Eine gute Gehaltsverhandlung klingt wie ein Geschäftsgespräch unter Erwachsenen, nicht wie eine Beschwerde.

Konkrete Sätze, die im Galabau funktionieren

Wer keine Übung in Gehaltsgesprächen hat, profitiert davon, sich vorher Sätze zurechtzulegen. Drei Situationen, drei Beispielsätze:

Im Erstgespräch (neue Stelle): „Bei meiner Erfahrung von [X Jahren] und meiner Spezialisierung in [Bereich] sehe ich meinen Marktwert bei [Y Euro] brutto pro Stunde plus den üblichen Zusatzleistungen. Passt das aus Ihrer Sicht in den Rahmen?“

Im Jahresgespräch (bestehender Job): „Mein letztes Gehaltsgespräch ist [X Monate] her. In dieser Zeit habe ich [konkrete Verantwortung übernommen, Kollegen eingearbeitet, Kunde X betreut]. Ich erwarte einen Aufschlag von [Y Euro] pro Stunde, also rückt mein Stundenlohn auf [Z Euro].“

Wenn der Chef „nein“ sagt: „Verstehe ich. Was wäre der Hebel, mit dem ich in den nächsten sechs Monaten dorthin komme? Welche Zusatzaufgabe oder welcher Nachweis bringt mich in die Lage, das zu rechtfertigen?“

Der dritte Satz ist der wichtigste. Er verwandelt ein Nein nicht in ein Ja, aber in eine konkrete Bedingung. Wenn der Chef die Bedingung nennt, kannst du sie erfüllen und in sechs Monaten zurückkommen. Wenn er keine nennt, weißt du, dass das Nein keine sachliche Begründung hat.

Was tun, wenn der Chef weiterhin nein sagt?

Ein erstes Nein ist nicht das Ende. Ein zweites Nein bei klarer Begründung deinerseits dagegen schon. Drei Strategien, in dieser Reihenfolge:

Frist setzen. Innerlich, nicht laut. „Wenn in sechs Monaten nichts passiert ist, schaue ich mich um.“ Das ist deine Linie. Wenn die Frist verstreicht und nichts kommt, hat dein Betrieb seine Antwort gegeben.

Marktangebot als Hebel. Wer ein konkretes Angebot eines anderen Betriebs in der Hand hat (egal ob aus aktiver Suche oder unaufgefordert), hat den stärksten Verhandlungshebel überhaupt. Vorsicht: Bluffen geht selten gut. Ein erfundenes Angebot wird oft erkannt, und das beschädigt das Vertrauen.

Den Schritt zum Wechsel machen. Wenn alle Strategien nichts bringen, ist der Wechsel nicht Schwäche, sondern Konsequenz. Im Galabau gewinnt der Wechsel oft 10 bis 20 Prozent mehr Gehalt im neuen Betrieb, plus oft eine Karrierestufe.

Häufige Fragen

Wie viel mehr ist eine realistische Forderung?

Beim Jahresgespräch: 5 bis 10 Prozent Aufschlag auf das aktuelle Bruttoeinkommen ist im Galabau eine realistische Größe. Beim Wechsel: 10 bis 20 Prozent. Wer mehr fordert, sollte sehr gute Gründe mitbringen, sonst wirkt es unrealistisch.

Soll ich mit einem konkreten Konkurrenzangebot drohen?

Wenn du eines hast, ja. Aber nicht im Drohton. Der Satz „Ich habe ein Angebot von [Betrieb] über [Y Euro], und mir wäre es lieber, hier zu bleiben, wenn wir auf eine vergleichbare Zahl kommen“ funktioniert. „Wenn ich keine Erhöhung bekomme, gehe ich“ funktioniert nicht.

Wie häufig kann ich verhandeln?

Einmal pro Jahr ist im Galabau der etablierte Rhythmus, üblicherweise rund um den Jahreswechsel oder zum Ende der Probezeit. Häufiger als alle 12 Monate wirkt drängend, außer es gibt einen konkreten Anlass (Aufstieg, neue Verantwortung, Tarifrunde).

Was ist der beste Zeitpunkt im Jahr?

Vor der Hauptsaison (Februar, März) und nach einem erfolgreich abgeschlossenen Großauftrag. Schlechte Zeitpunkte sind direkt nach einer vermasselten Baustelle, in einer schwachen Auftragsphase oder mitten in der heißen Saison, wenn alle nur darauf konzentriert sind, dass die Arbeit läuft.

Können Auszubildende übertariflich bezahlt werden?

Theoretisch ja, praktisch selten. Manche Betriebe zahlen Auszubildenden in Mangelregionen einen Aufschlag von 50 bis 150 Euro im Monat über der tariflichen Ausbildungsvergütung. Wer fragt, hat manchmal Glück.

Sollte ich den Übertarif schriftlich festlegen lassen?

Ja. Mündliche Zusagen werden im Streitfall vergessen, ignoriert oder umgedeutet. Bestehe darauf, dass jede neue Vereinbarung im Arbeitsvertrag oder in einer schriftlichen Zusatzvereinbarung dokumentiert wird, mit Stundenlohn, Zusatzleistungen und gegebenenfalls Bedingungen.

Kurz und ehrlich zum Schluss

Übertarif im Galabau ist die Regel, nicht die Ausnahme. Wer ihn nicht bekommt, hat in den meisten Fällen entweder nicht verhandelt oder mit dem falschen Betrieb verhandelt.

Eine gute Verhandlung kostet dich 30 Minuten Vorbereitung und 15 Minuten Gespräch. Sie kann dir 4.000 bis 8.000 Euro mehr brutto im Jahr bringen. Es gibt nur wenige Investitionen mit einem besseren Verhältnis.

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